#1

Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 08.12.2009 16:54
von fredrock • 4.421 Beiträge

Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos problematisch geworden ist: in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, dass er es nicht weiß.“ (Max Scheler)


Mit der kopernikanischen Wende verschob sich das Selbstbild des Menschen. Er stand nun nicht mehr im Zentrum, sondern war alleingelassen im weiten Raum und mit der Unendlichkeit konfrontiert, die ihn ängstigte (Pascal). Die Physik wurde zur Methode der Erklärung der Welt (Kepler, Galilei). Es entstand eine naturalistische Auffassung vom Menschen (Hobbes’ Kampf aller gegen alle). Gleichzeitig konnte der Gegensatz von Leib und Seele nicht aufgelöst werden. Dies führte zu Descartes’ Dualismus: Der Mensch ist körperlich (res extensa) und verfügt zugleich über eine Seele (res cogitans). Die Erklärung des Menschen wurde zu der Frage nach seiner Erkenntnisfähigkeit. Als Ebenbild Gottes bleibt er aber immer noch im Zentrum des Denkens.

Die von Descartes angestoßene Bewusstseinsphilosophie fand unterschiedliche Antworten bei den Empiristen und bei den Rationalisten. Beiden gemeinsam ist, dass sie psychologische Antworten gaben. Locke und Hume begründeten den Sensualismus. Die Empiristen gingen grundsätzlich vom Egoismus des Menschen aus. Auch das Sozialverhalten erfolgt nach dem Prinzip, dass Näherliegendes vorgezogen wird. Leibniz unterteilte das Bewusstsein in bewusste Wahrnehmungen (apperceptiones), einfache Wahrnehmungen (perceptiones), unbewusste Wahrnehmungen (petit perceptiones) und unterbewusste Strebungen (appetitiones). Christian Wolff unterschied zwischen empirischer und theoretischer Psychologie und legte damit den Grundstein für den durch Jakob Friedrich Fries und Johann Friedrich Herbart begründeten Psychologismus im 19. Jahrhundert. Der Bewusstseinsphilosophie seit Descartes ist allerdings gemeinsam, dass sie Anthropologie als eigenständiges Thema noch nicht verfolgte.

Es ist vielleicht so, dass durch den Tod des Subjekts der Mensch und mit ihm eine "frag-würdige" Anthropologie ihre klassische Bestimmung - die Frage nach dem Menschen - wiederfindet. Das meint Helmut Plessner, wenn er schreibt:

"Philosophische Anthropologie ist auch keine Entdeckung unserer Zeit. Eine Philosophie des Menschen hat es immer gegeben, wenn man unter "Mensch" nicht nur ein besonderes Gebilde im Kosmos (und unter Anthropologie eine Theorie dieses Gebildes im Hinblick auf sein 'Sein', seine 'Stellung') versteht, sondern den uns gewiesenen Horizont von Aufgaben, die - in den verschiedenen Kulturen und über große historische Abstände hinweg - als dem Menschen eigentümlich angesehen worden sind; Aufgaben eines Wesens, das wünscht und hofft, denkt und will, fühlt und glaubt, um sein Leben bangt und in Allem den Abstand zwischen Vollkommenheit und seinen Möglichkeiten erfahren muß. So gesehen, läßt sich Anthropologie von Philosophie kaum trennen."

Albrecht Dürer, Selbstbildnis (1500). Ein Mensch in der Pose Christi, des Erlösers, eines Gottes.

Angefügte Bilder:
Durer_self_portarit_28.jpg

zuletzt bearbeitet 08.12.2009 16:55 | nach oben springen

#2

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 30.03.2010 15:28
von LastCaressDunkelsblond!
| 750 Beiträge

Da war ich mal wieder neugierig, und habe dass hier dazu gefunden:

Ein Auszug aus Peter Möllers "Geschichte der philosophische Anthropologie":
"Platon und Aristoteles benutzten das Wort "Mensch" nicht nur ausschließlich für freie Griechen (Barbaren und Sklaven blieben außen vor), sondern auch nur für Männer. Platon sagte, Frauen seien ehemalige Männer, die auf Grund ihres widerlichen Lebenswandels dieses Mal zur Strafe als Frauen auf die Welt gekommen seien. Aristoteles meinte, den Frauen fehle zum Menschsein ein kleines bißchen. [ Freud sprach später dann vom "Penisneid".]"

Haben wir uns seitdem wirklich weiter entwickelt? Wie bitte kamen diese doch zweifelos Gelehrten zu ihrer Ansicht?
Erwuchs es aus der Angst vor dem Weiblichen, der, die Gebären konnte?
Aus frühen Funden und archologischen Ausgrabugen geht hervor, dass die Frau ihre Wertschätzung und Stellung in einer
Gemeinschaft, sehr viel höher anzusehen war, teilweise sogar die führende Rolle in einer Gruppe innehatte.

Wie bitte konnte es sich dann so wandeln?
Dann seit dem Christentum sogar noch graviernder, unterjochender und ängstlicher als zuvor, meiner Meinung nach.

Gut, heute scheint sich da denn doch ein kleiner Wandel vollführt zu haben...


wer wagt der gewinnt!?

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#3

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 08.04.2010 01:00
von GolemSchattenspieler
| 171 Beiträge

Nun das liegt am Kontext zu jener Zeit.
Vielleicht auch dran, daß eine Frau auf Sicherheit für die Familie bzw. Nachwuchs aus ist.
Und vielleicht ist das auch der Grund, das unter den Philosophen, Künstlern und Erfindern mehr Männer als Frauen vertreten sind.

Weiterentwickelt haben wir uns nur in der Technologie.
Aber philosophisch, psychologisch und menschlich gesehen ist der Mensch eher degeneriert
Das Christentum hat es noch auf die Spitze getrieben, indem es im 4. Jahrhundert Hypatia, die letzte Philosophin in Alexandria zu Tode steinigte, die letzten verblieben Bücher der berühmten Biblothek verbrannten und damit das finstere Mittelalter einläutete.

Leider hat die Emanzipation auch nicht wirklich die Gleichberechtigung der Frau gebracht. Es ist keine Gleichberechtigung der Frau, daß die Frau sich immer mehr dem Mann angleicht, das Weibliche dabei vernachlässigen und ihre männlichen Anteile stärker auslebt.


__________________
Tod ist alles, was wir im Wachen sehen, und Schlaf, was im Schlummer.
Der Mensch zündet sich in der Nacht ein Licht an, wann er gestorben ist und doch lebt.
Er berührt den Toten im Schlummer, wann sein Augenlicht erloschen; im Wachen berührt er den Schlummernden.
Alles fließt.
Heraklit - der Dunkle Philosoph
520 - 460 v. Chr.
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#4

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 19.04.2010 14:26
von fredrock • 4.421 Beiträge

Zitat
Das Christentum hat es noch auf die Spitze getrieben, indem es im 4. Jahrhundert Hypatia, die letzte Philosophin in Alexandria zu Tode steinigte, die letzten verblieben Bücher der berühmten Biblothek verbrannten und damit das finstere Mittelalter einläutete.



Wohl war und nu hau ich mal einen raus... Ich bin mit Sicherheit Gottesgläubiger als so mancher Christ, nur mit dem Unterschied das sich mein Gott nicht als selbiger bezeichnet und er mich lehrt ;das nicht sein Wesen es ist, nachdem ich zu handeln habe sondern es in mir ist .. und folge ich diesem Inneren, dann werde ich wahres Kind meines Gottes !: ne ne ich bin kein Jedi the hunt


zuletzt bearbeitet 19.04.2010 14:28 | nach oben springen

#5

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 22.04.2010 22:25
von GolemSchattenspieler
| 171 Beiträge

Nun ja das Prinzip ist das Gleiche - ob ich das nun Gott, Zufall usw. nenne.
Naja bibeltreue "wortwörtliche" Christen haben mit den ersten Christen wenig gemeinsames.the hunt

Aber sag mal, was genau in Dir lehrt Dich den sowas?


__________________
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Der Mensch zündet sich in der Nacht ein Licht an, wann er gestorben ist und doch lebt.
Er berührt den Toten im Schlummer, wann sein Augenlicht erloschen; im Wachen berührt er den Schlummernden.
Alles fließt.
Heraklit - der Dunkle Philosoph
520 - 460 v. Chr.
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#6

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 24.04.2010 13:38
von fredrock • 4.421 Beiträge

Die unbegrenzte Faszination der Struktur der Welt, soweit sie unser Bewusstsein erfassen kann..

Is im Prinzip sehr Simpel,, und wenn man versucht sich dieser Struktur anzunähern oder Sie versucht für sich zu verstehen,, ist es genau dieser Umstand, dem ich folge..

Zitat
"Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden." A.Einstein


zuletzt bearbeitet 24.04.2010 13:40 | nach oben springen

#7

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 24.04.2010 17:45
von GolemSchattenspieler
| 171 Beiträge

Was genau ist den die Struktur in Dir,der Du folgst und versuchst Dich ihr anzunähern?


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Der Mensch zündet sich in der Nacht ein Licht an, wann er gestorben ist und doch lebt.
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#8

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 24.04.2010 17:49
von fredrock • 4.421 Beiträge

Die frage is nun nicht dein Ernst oder ? das könnte ne mehrseitige Abhandlung werden the hunt und och etwas Zeit in Anspruch nehmen,, als Gedankenanstoß diese Struktur dient Natürlich die Physik/Wissenschaft das ja schon mal klar...

Aber jetzt mal am Rande, die Struktur dieser Welt zu erkennen, ist doch aller erste Aufgabe, also so wie wir sie erkennen können oder ?


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#9

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 24.04.2010 17:59
von GolemSchattenspieler
| 171 Beiträge

Die Frage ist mir vollkommen Ernst.
Also komm.
Ich verfasse manchmal schon ausführliche Beiträge und nicht nur ein paar kurze Sätze.
Außerdem ist Zusammenarbeit eine zwingende Notwendigkeit wenn wir die Wahrheit als Ziel sehen.
Vor allem ist es doch sehr interessant wie ein anderer das in seinem Leben sieht und auch umsetzt.


__________________
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#10

RE: Philosophische Anthropologie

in Der Garten des Geistes 24.04.2010 18:24
von fredrock • 4.421 Beiträge

Stümmt ja, aber dafür muss ich mal ne Ruhige Stunde haben und mich konzentrieren,, also kanns n bissl Dauern,, aber ich mach mal so einen Entwurf..


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