#1

Politische Philosophie

in Der Garten des Geistes 24.12.2010 19:51
von fredrock • 4.421 Beiträge

Zusammenfassung verschiedener essays
Eine Darstellung der Entwicklung an ausgewählten Beispielen
Platon, Aristoteles, Augustinus und Machiavelli

Teil 1

Aristoteles "Politik"


Dieser Auszug aus Aristoteles "Politik" beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, wie Staat zu definieren ist und welche unterschiedlichen Ausprägungen von Politik bzw. Regierung in einem solchen Gebilde herrschen können.
Hat Platon in seinem Werk die extreme Position vertreten, daß alle Menschen eines Staates Alles besitzen sollen, so postuliert Aristoteles eine pluralistische Staatsform, in der die Vielfalt zum Tragen kommt. Des weiteren geht er der Frage nach, ob alle Bürger an allen Entscheidungen Anteil haben sollen oder nur an einigen und an anderen eben nicht.
Laut Aristoteles ist die Basis eines jeden Staates die Gemeinschaft, die in mehreren Stufen entsteht. Am Anfang dieser Kette stehen Mann und Frau, welche Nachkommen erzeugen, wodurch ein Haus entsteht. Diesem folgt das Dorf, ein Zusammenschluß mehrerer Häuser, dann die Zusammenlegung mehrerer Dörfer und mit dem erreichen der vollkommenen Autarkie entsteht ein Staat. Dieses passiert zwangsläufig, da der Mensch von Natur aus ein staatenbildendes Lebewesen ist, was auch von Natur aus ursprünglicher ist. Staat ist nach Aristoteles allerdings viel mehr als nur örtliche Nähe und Schutz, sondern

"Gemeinschaft, in einem guten Leben unter Häusern und Geschlechtern, zum Zwecke eines vollkommenen und selbst genügenden Daseins"

Die Verfassung ist für ihn die Staatsordnung, welche die Gewalten regelt und von der Regierung eines Staates repräsentiert wird. Als gut bezeichnet er allerdings nur diejenigen, die auf gemeinsames Nutzen abzielen und nicht nur den Regierenden zum Vorteil sind.
Im Weiteren analysiert Aristoteles die Zusammensetzung eines Staates, bzw. welche Mischung an Menschen am Besten ist, um einen Staat tragen zu könne. Seiner Meinung nach sollte sich die Gemeinschaft eines Staates auf den Mittelstand gründen, weil dieser am leichtesten der Vernunft gehorcht. Hierbei wäre es am Besten, wenn jeder ein ausreichendes Vermögen besitzt, weil so die Gefahr am geringsten ist, daß eine extreme Regierungsform, wie etwa eine reine Oligarchie oder Tyrannis entsteht. Dieses ist in kleineren Staaten oft schwer zu realisieren, weil diese häufig in zwei Klassen zerfallen und die breite Mittelschicht somit fehlt.

Grundlegend für das Bestehen einer Verfassung ist die Tatsache, daß derjenige Teil, der diese stützt größer sein muß als der, der die Gesetze ablehnt. Auch muß sich Qualität und Quantität, also das Verhältnis zwischen solchen Dingen wie Freiheit und Bildung auf der einen und die reine Anzahl der Menschen auf der anderen Seite die Waage halten, damit sich eine angemessene Verfassung herausbildet.
Abschließend ist zu den Auszügen aus Aristoteles "Politik" noch anzumerken, daß es schwierig ist, eine allen gerechte Staatsform bzw. Verfassung zu schaffen, weil es immer Menschen gibt, die bevor- oder benachteiligt werden. Auch wenn man sinnvollerweise, wie von Aristoteles vorgeschlagen, die breite Mittelschicht als Basis nimmt, wird es trotzdem zu manchen Schwierigkeiten kommen können. Aristoteles vertritt in seinem Werk die Pluralität, weil nur so das oberste Ziel eines Staates, nämlich Autarkie, erreicht werden kann. Bei einer homogenen Masse wäre dieses nicht gegeben.


zuletzt bearbeitet 24.12.2010 19:52 | nach oben springen

#2

RE: Politische Philosophie

in Der Garten des Geistes 25.12.2010 11:16
von fredrock • 4.421 Beiträge

Teil 2


Aurelius Augustinus: Vom Gottesstaat (De civitate dei)



Nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion 391 durch Konstantin wurden alle heidnischen Religionen verboten und verfolgt. Zwei Jahrzehnte später wurde Rom dann von den Westgoten überfallen und geplündert, woraufhin die Heiden verbreiteten, das Christentum sei Schuld am Untergang Roms gewesen. Augustinus Werk ist auch als eine Antwort auf diesen Vorwurf zu verstehen, indem er den einzig wahren Charakter der christlichen Religion aufzeichnet. Den Anhängern der heidnischen Religionen wirft er vor, weltlichen Dingen nachzulaufen und deren Götter bezeichnet er als Geister und Dämonen, die dem Staat schweres Übel zugefügt haben.
Für ihn ist die heidnische Lehre ein Dogma ohne Hoffnung, während das Christentum ewige Seligkeit verspricht. So steht für ihn auch der Glaube und nicht das Denken im Vordergrund. Besondere Betonung legt Augustinus immer wieder darauf, daß es sich hierbei um Theologie und nicht um politische Philosophie handelt.

Auffällig ist die strikte Unterscheidung zwischen "civitas terrena" also dem Weltstaat und dem "civitas dei", dem Gottesstaat. Ersterer hat nur geringe Bedeutung, herrscht in ihm doch, laut Augustinus, der Teufel. Im "civitas dei" hingegen herrscht Christus als König. Anzumerken ist, daß der weltliche, von Menschen erschaffene Staat, bzw. seine Politik, zwar als böse entlarvt werden, man sich seiner aber trotzdem gerne bedient.
Im Weiteren werden dann große Reiche beschrieben, die durch fehlende Gerechtigkeit schnell zu Räuberbanden werden können. Für Augustinus ist jedoch jeder weltliche Staat, sofern er weltliche Ziele verfolgt, eine Räuberbande, seine Sichtweise ist in diesem Fall also sehr intolerant, wenn nicht sogar fundamental. Insofern bezeichnet er den römischen Staat nicht als Räuberbande, weil in ihm in gewissem Maße Recht, nach dem Verständnis Augustinus, herrscht und, und daß ist entscheidend, weil er zur Ausbreitung der christlichen Religion beigetragen hat.

So ist es für ihn auch nicht wichtig, wie lange ein Kaiser regiert hat und wie viele Schlachten er gewonnen hat, sondern letzten Endes nur die Tatsache, inwiefern er das Christentum gelebt und verbreitet hat. Nur so kann sich ein Kaiser Hoffnung auf ewige Glückseligkeit machen.
Die Macht eines Kaisers wird laut Augustinus nun auch nicht mehr durch politische Motive, sondern alleine durch theologische legitimiert, daß heißt, der weltliche Herrscher muß ganz im Sinne Gottes agieren, ansonsten ist er nicht gewollt.

Siehe hierzu auch *Augustinus von Hippo* http://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_von_Hippo


zuletzt bearbeitet 25.12.2010 11:23 | nach oben springen


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